Gedanken zur Jahreslosung 2021

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ (Lukasevangelium Kap. 6 Vers 36)

Jesus ruft zur Barmherzigkeit auf. Damals wie heute haben wir Menschen wohl diese „Ermahnung“ nötig. In einer individualistischen Gesellschaft wie der unseren, in der zuerst nach den eigenen Befindlichkeiten gefragt wird und zudem viele Menschen, oft beruflich bedingt, zeitlich sehr eng getaktet sind in der Erfüllung der Aufgaben, bleibt der Blick für den Nächsten neben uns oftmals unscharf. Aber ist „Barmherzigkeit“ inzwischen nicht auch durch diakonische und wohltätige Einrichtungen - mitunter durch staatliche Hilfen - bestens geregelt, und kann somit das persönliche Engagement „außen vor“ gelassen werden?

Gott schenkt Barmherzigkeit

Worum geht es Jesus? Was heißt barmherzig sein? Jesu Leben und Reden zeigen in einer Vielfalt, was er unter „barmherzig“ versteht, worauf es letztlich ankommt. Als erstes fällt einem das Gleichnis vom barmherzigen Samariter ein (Lukas 10), aber aus den Evangelien in den jeweiligen Begegnungen Jesu mit den Menschen erfahren wir eine große Bandbreite des Barmherzig-Seins Jesu. Zum Beispiel: die Not des anderen wahrzunehmen, die Zuwendung, das Vergeben-Können, die Sorge um den anderen, das Zuhören, Retten, Gnade walten lassen. In der Bergpredigt preist Jesus die Barmherzigen glücklich, nachdem er von dem Hunger und Durst nach Gerechtigkeit gesprochen hat. Und darüber hinaus verweist Jesus darauf, wie barmherzig Gott, der Vater, mit uns Menschen umgeht. Das schildert er in besonders herausragender Weise im Gleichnis vom Verlorenen Sohn (Lukas15). Damit spannt er den Bogen der Erfahrung des barmherzigen Gottes aus den Schriften des Alten Testaments bis in seine Gegenwart. Barmherzigkeit ist im Wesen Gottes begründet. Am hellsten leuchtet sie in der Sendung Jesu zu unserer Erlösung, zur Rettung aus Schuld und Sünde. Wer damit belastet ist, darf an sich selbst Gottes Barmherzigkeit erfahren, die geschenkt wird; keiner hat sie sich durch irgendwelche Leistungen verdient.

Wie begegne ich meinem Nächsten?

Wo wird unsere Barmherzigkeit sichtbar und im Alltag greifbar? Wie gehe ich mit den Kindern um, mit dem Partner, mit den Eltern, wie mit den Fremden, wie mit den eigenen Schwächen, wie mit den Kollegen, den Nachbarn? Wie leicht kann schon ein freundliches Wort, ein Lächeln, eine helfende Hand eine Situation verändern, wie viel ein tatkräftiger Einsatz zugunsten eines Bedürftigen!

Barmherzigkeit ist heute in besonderer Weise auch angesagt in unserer Kultur der Diskussionsrunden, der Internetplattformen in ihrer Meinungsvielfalt und damit der grundgesetzlich garantierten Meinungsfreiheit. Wie schnell wird der andere verurteilt, mit Häme überschüttet, zurückgewiesen, ohne genau hinzuhören und ohne echte, sooft nur vordergründig geforderte Toleranz, weil die Meinung des Gegenübers nicht der eigenen Überzeugung und Lebenswirklichkeit entspricht. Unterwegs in der Öffentlichkeit erlebt man auch immer wieder, wie schnell der Umgang miteinander unverschämt wird, wenn nicht alles gleich funktioniert wie gewünscht - aggressive und beleidigende Töne sind da öfters zu hören.

Die Barmherzigkeit hat viele Facetten, denn es geht um unsere mitmenschlichen Beziehungen, um das menschliche Miteinander. Da bin ich als Nachfolger Christi immer neu herausgefordert, wie ich meinem Nächsten begegne. Um dafür ausgerüstet zu sein, darf ich immer wieder neu aus Gottes Barmherzigkeit schöpfen. Unseren Gruß zum neuen Jahr aus der Stadtmission verbinden wir deshalb auch mit Psalm 103, der in vielen Versen die Gnade und Barmherzigkeit Gottes preist.

Behüt‘ Sie Gott im neuen Jahr!

Ewald und Gabi Dengler                                                                                                                                                                                                                       


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Gedanken zur Jahreslosung 2020

„Ich glaube – hilf meinem Unglauben!“ (Markusevangelium Kap. 9 Vers 24)

„Ich glaube! Hilf mir heraus aus meinem Unglauben!“, ruft der Vater verzweifelt, der seinen Sohn, der von klein auf krank ist und dadurch oft in Lebensgefahr war, zu Jesus bringt und um Heilung bittet. Und in der Begegnung mit Jesus wird der Junge geheilt und der Vater überzeugt von Gottes Macht.

„Ich glaube! Hilf mir heraus aus meinem Unglauben!“, rufen auch wir immer wieder, wenn sich Ereignisse einstellen, denen wir nicht gewachsen sind, die uns überfordern, die unseren Glauben erschüttern. Aber die Not menschlichen Unglaubens ist Jesus bekannt, er will auch heute uns Menschen herausrufen aus unseren Zweifeln und Verzagtheiten hin zu einem Vertrauen auf Gottes Güte und Menschenfreundlichkeit. Wir Menschen kennen Gott nicht wirklich. Wir haben ein Bild von Gott, geprägt durch unsere Erziehung, Familie, Freunde. Gottes wirkliches Wesen, seine Nähe, kennt nur der Gottessohn Jesus Christus, so die Zeugen der Bibel. Deshalb stellt uns Jesus Gottes Wesen in allen Facetten vor Augen: In den Heilungsgeschichten, in den Begegnungen mit den Menschen und in den Gleichnissen. Er will uns damit Gottes umfassende Liebe deutlich machen, er will uns vermitteln, dass Gott es gut mit uns meint. Mit all dem wirbt Jesus für ein tiefes Vertrauen zu Gott, den er Vater nennt und uns ebenfalls auffordert, dies zu tun.

Der christliche Glaube ist nicht nur ein „Für-wahr-Halten“ und ein Anerkennen der biblischen Botschaft, nicht nur Orientierung an einer Idee, Mitteilung oder Sachverhalt, sondern bezieht sich vor allem auf eine Person: Jesus Christus, in dem sich Gottes Gegenwart und Zuwendung zu den Menschen offenbart. Unter diesem Gesichtspunkt bekommt der Glaube, der diesem Gott vertraut, sich ihm anvertraut, eine personale Perspektive. Der Mensch tritt neu in Beziehung zu seinem Schöpfer durch Jesus.

Auch im neuen Jahr werden wir in den Herausforderungen des Alltags vor der Frage stehen: Vertrauen wir Gottes Zusagen, setzen wir auf Gottes Gegenwart und seinen Beistand? Jesus, hilf uns dazu!

Ewald und Gabi Dengler                                                                                                                                                                                                                         Foto: unsplash.com / sven-fischer


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