Das Beste kommt noch?
Wenn man Ende November schon mal im Keller ist, um die Herbst-Deko wieder zu verstauen, dann macht es Sinn, gleich die Weihnachtskiste mit hoch zu nehmen, die Sterne aufzuhängen, vielleicht auch schon die Weihnachtskrippe. Und warum nicht gleich auch schon den Weihnachtsbaum ins Wohnzimmer stellen? Dann ist das auch schon erledigt. Nur: Vom 1. Advent bis zum Heilig Abend gibt’s dann keine Steigerung mehr. Dabei ist Advent doch die Zeit der gespannten Erwartung. Und der Vorbereitung. Advent ist wie ein Haus bauen, oder wie kochen oder wie eine Schwangerschaft: Das Beste kommt noch!
Um Vorbereitungen und Erwartung geht es auch im Wochenspruch für die 3. Adventswoche: „Bereitet dem HERRN den Weg, denn siehe, der HERR kommt gewaltig.“ Der Prophet Jesaja kündigt das machtvolle Eingreifen Gottes in die Weltgeschichte an. Christen haben in Jesus dieses Eingreifen Gottes erkannt. Eine große Zeitenwende. Wobei: Wir teilen unsere Zeit zwar in vor und nach Christus ein, aber wurde die Welt durch ihn tatsächlich grundlegend verändert? Ich würde sagen: Nein! Jesus hat Menschen, einzelne Menschen verändert. Hat Heilvolles in ihr Leben gebracht, sei es Gesundheit, die Erfahrung des Geliebtwerdens, der Vergebung oder Glaube und Hoffnung. Jesus hat gute Wirkungen in dieser Welt hinterlassen. Aber eben nur bei einzelnen Menschen.
Dann hat er den Stab an seine Nachfolger*innen übergeben. Die sollen, ausgerüstet durch Gottes Geist, dafür sorgen, dass „sein Reich komme, sein Wille geschehe“. Und tatsächlich haben die über die Jahrhunderte die Welt verändert. Sicher, es war nicht alles gut was sie in Gottes Namen getan haben und es ist nicht alles gut in dieser Welt. Die globalen Katastrophen und Kriege führen uns die begrenzte Reichweite menschlicher Bemühungen vor Augen. Über immer mehr Menschen, die das wach anschauen, legt sich ein grauer Schleier aus Resignation und Zukunftsangst.
Wie gut und tröstlich, dass wir im Advent erinnert werden: Das, was ist, ist noch nicht alles. Das beste kommt noch! „Der HERR kommt gewaltig!“ Er ist der Hoffnungsträger, die Lichtgestalt, der Game-Changer, den sich viele Menschen ersehnen. Und er wird kommen. Wir wissen nicht wann und wie. Aber wir dürfen glauben: Er wird kommen. Und dann wird Alles, wirklich Alles gut werden.
Aber noch sind wir im Advent, in der Zeit der Erwartung und der Vorbereitung auf dieses machtvolle Eingreifen Gottes. „Bereitet dem HERRN den Weg…“ sagt der Prophet. „Folgt mir nach…“ sagt Jesus. Also: Kein gelangweiltes Warten wie an der Bushaltestelle ist angesagt, sondern das Mitmachen bei dem, was Gott wichtig ist: Gerechtigkeit, Versöhnung, Frieden, Hilfe in die Welt bringen. Barmherzig mit Menschen sein. Zur Umkehr aufrufen und zum Glauben einladen.
Die Vision von Gottes Zukunft möge uns beseelen. Sein Geist möge uns beflügeln. Und seine Liebe möge uns erfüllen und aus uns ausstrahlen.
Impuls von Norbert Aufrecht, Vorstand der Evangelischen Stadtmission Freiburg


Zwischen Hoffnung und Zukunftsangst
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Vergeben und vergessen?