„Die Arbeit im Team ist das Beste“
Nichts brauchen wir in der Pflege dringender als gute Fachkräfte. Viele ausländische Pflegekräfte bringen bereits eine gute Ausbildung mit. Manche haben ein Studium abgeschlossen und mehrjährige Berufserfahrung. Ihre Abschlüsse müssen jedoch in Deutschland erst anerkannt werden. Dazu ist eine weitere Ausbildung nötig. Die Evangelische Stadtmission Freiburg bietet ihnen diese Möglichkeit. Acht Frauen aus Indien haben wir interviewt. Einige sind erst seit ein paar Monaten hier, andere stehen kurz vor ihrer Anerkennung als Pflegefachkraft. Sie haben uns Einblicke gegeben in ihre Erfahrungen und Herausforderungen. Was ist ähnlich oder ganz anders in Indien? Wie geht es nach der Anerkennung weiter? Lesen Sie selbst…
Sneha und Neethu
„Wir kommen aus Kerala. Die Stadt mit etwa 3,5 Millionen Einwohnern liegt im Süden Indiens. Wir wollten eine neue Kultur kennen lernen und Erfahrungen sammeln. Für eine sichere Zukunft und mehr Lebensqualität müssen wir Geld verdienen. Seit ungefähr zwei Jahren sind wir jetzt in Deutschland. Zuerst haben wir in einem Krankenhaus gearbeitet. Es gab aber dort keine Möglichkeit, unsere Prüfung für die Anerkennung als Pflegefachkraft zu machen. Durch eine Agentur sind wir zur Stadtmission gekommen und arbeiten jetzt im Pflegehaus Nouvelle in Breisach. Wir möchten alten Menschen helfen. Uns gefällt der Kontakt mit den Bewohnern. Hier können wir uns dauerhaft um die gleichen Personen kümmern. Die Arbeit im Team ist das Beste.
Es gibt viele Unterschiede zwischen indischer und deutscher Kultur. In Indien ist zum Beispiel Rauchen und Trinken auf der Straße verboten, in Deutschland nicht. In Deutschland gibt es viele Verkehrsregeln und alle machen mit. In Indien gibt es zwar Ampeln, aber darauf achtet niemand. Zug fahren ist auch gefährlich. Beim Kochen benutzen wir sehr viele Gewürze. Wir mussten uns erst an das Essen hier erst gewöhnen, aber jetzt schmeckt es uns.Eine Herausforderung in Deutschland ist die Sprache. Das Wetter ist sehr kalt. Wir haben auch schon Rassismus erlebt. Was uns gut gefällt: Wir können Vollzeit oder Teilzeit arbeiten. Alles ist sehr sauber, die Lebensqualität ist hoch. Es gibt gute Luft und sehr viele Sorten Brot. Wie in Indien wachsen hier viele Bäume. Wir möchten 10 oder 15 Jahre in Deutschland bleiben.“
Shilpa
„Ich komme aus Kerala. Meine Schwester arbeitet seit zwei Jahren in Deutschland. Sie hat mir von den Arbeitsmöglichkeiten erzählt. Seit sechs Wochen arbeite ich im Pflegehaus Nouvelle in Breisach. Hier kann ich mein Deutsch verbessern, vor allem den Wortschatz in der Pflege. Ich möchte älteren Leuten helfen und viele Erfahrungen sammeln. Ich mag den Kontakt mit Menschen und die Teamarbeit. Mir gefallen die Sauberkeit hier und das Gesundheitssystem. Es gibt viele Arbeitsmöglichkeiten. Was in Indien anders ist: Wir kaufen nie Frühstück, Brot oder Wasser. Wir kochen oder backen selbst, mit vielen Gewürzen.“
Soumya und Divya
„Wir kommen aus Kerala. Eine Freundin und eine Cousine arbeiten schon länger in einem deutschen Krankenhaus. Sie haben uns davon erzählt. Wir sind jetzt seit einem Jahr in Deutschland. Erst haben wir in Leipzig gearbeitet. Durch eine Agentur sind wir nach Freiburg gekommen und arbeiten im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Bad Krozingen. Wir möchten neue Erfahrungen sammeln und Geld verdienen. Uns gefällt der Kontakt zu den alten Menschen und die Arbeit im Team. Was wir an Indien vermissen: Das Haus, in dem wir wohnen. Den Kaffee und die vielen Gewürze, die wir beim Kochen verwenden. Das Brot, das wir selbst backen. Das Fleisch vom Wasserbüffel. An Deutschland mögen wir die verschiedenen Arbeitszeitmodelle und -möglichkeiten. Die Lebensqualität und das Gesundheitssystem sind sehr gut.“
Soumya: „Ich möchte in Zukunft mit meiner Familie in Deutschland leben. Mein Mann arbeitet auch in der Pflege.“
Shinimol
„Ich komme aus Kerala. Ich bin seit drei Monaten hier und die Sprache ist noch eine Herausforderung für mich. Deutschland ist mein Traumland. Es ist sehr sauber. Es gibt eine Krankenversicherung und ein gutes Gesundheitssystem. Bildung ist kostenlos. Studenten können eine gute Ausbildung machen und haben Zeit dafür. Danach gibt es viele Arbeitsmöglichkeiten, zum Beispiel im Krankenhaus. Das System mit dem 58-Euro-Ticket ist auch sehr gut. In Indien ist das Wetter ein bisschen anders, nicht so kalt. Das Essen schmeckt sehr intensiv, mit Gewürzen wir Kardamom und Pfeffer. Es gibt viel Wald. Im Dietrich-Bonhoeffer-Haus kümmere ich mich gerne um die Bewohner. Ich möchte noch mehr mit ihnen sprechen. Ich mag die Pflege. Nach meiner Anerkennung als Pflegefachkraft möchte ich mit meiner Familie in Deutschland leben und hier arbeiten.“
Anjumol und Ashna
„Wir kommen aus Kottayam und Muvattupuzha in Indien und sind seit ein paar Monaten in Deutschland. Im Dietrich-Bonhoeffer-Haus helfen wir den Bewohnern, gebe ihnen Essen, waschen und pflegen sie. Wir kümmern uns gerne und sprechen mit ihnen, auch wenn die Sprache nicht einfach ist. In Indien haben wir verschiedene Kasten, das ist in Deutschland komplett anders. Es gibt viel Natur, Wälder, Meer und auch wilde Tiere, zum Beispiel Elefanten. In Deutschland ist die Schule kostenlos und Studenten haben viele Möglichkeiten. Wir können im Krankenhaus oder Altenheim arbeiten. Die Arbeit wird besser bezahlt. Wir möchten Medizin studieren und hierbleiben.“
Anjumol: „Ich möchte auch meiner Tochter eine gute Ausbildung ermöglichen.“


